24. Mai 2025, 19 Uhr, Eberbach, Ev. Michaelskirche

24. Mai 2025, 19 Uhr, Eberbach, Ev. Michaelskirche

Nach der andächtigen Stille folgen Bravo-Rufe und großer Applaus

Konzert mit Mendelsohns Psalmen und Kompositionen von Bezirkskantor Andreas Fauß – Die Eberbacher Kantorei, die Kurpfalzphilharmonie und die Solisten begeistern
Von Waltraud Dollinger

 

Eberbach. Ganz im Zeichen von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) stand das Chor- und Orchester-Konzert in der Michaelskirche. Die Eberbacher Kantorei, die Kurpfalzphilharmonie Heidelberg und die Solisten Sarah Kuppinger, Doreen Ziegler, Sebastian Hübner und Lorenz Miehlich begeisterten unter der Leitung von Bezirkskantor Andreas Fauß das Publikum.
Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy war ein deutscher Komponist, Pianist und Organist. Er zählt zu den bedeutendsten Musikern der Romantik und setzte als Dirigent Maßstäbe, die das Dirigieren bis heute prägen. Musikalisch beeinflusst wurde er von Beethoven, Mozart, Bach und Heine.
Beim Chor- und Orgelkonzert zu hören waren Mendelsohns Psalm 95, „Hör mein Bitten“ Hymne nach Psalm 55 und Psalm 42. Außerdem eines der eigenen Werke von Andreas Fauß „Das Gebot der Liebe op. 9“.
Felix Mendelssohn Bartholdy vertonte Psalm 95 im Jahr 1838. Im christlichen Verständnis kündigen die Texte des Alten Testaments das Kommen von Jesus Christus als Messias und Sohn Gottes an – daher passt der Text von Psalm 95 auch gut in die Weihnachtszeit. Die Bibel erzählt im Lukasevangelium, wie die Hirten auf dem Feld von einem Engel die Nachricht erhalten, dass im Stall von Bethlehem der Messias geboren worden ist. Sie kommen zur Krippe und loben Gott, dass alles so eingetroffen ist, wie es der Engel ihnen gesagt hat. Psalm 95 thematisiert das segensreiche Handeln Gottes an den Menschen. Deswegen fordert der Text alle auf, dem Herrn zu frohlocken, wie es heißt.
Sebastian Hübner (Tenor), Sarah Kuppinger (Sopran) und Doreen Ziegler (Sopran), begleiteten und bereicherten in diesem Werk die sehr engagiert und textsicher intonierende Kantorei mit ihren herrlich klaren und stimmgewaltigen Interpretationen. Auch als Duett begeisterten die beiden Sopranistinnen.
Wie kaum ein zweiter Komponist im 19. Jahrhundert vertonte Felix Mendelssohn Bartholdy farbenfroh, klangreich und originell die alttestamentlichen Psalmen. Mal eher schlicht für Chor ohne Begleitung, dann wieder groß angelegt für Gesangssolisten, Chor und Sinfonieorchester. Fünf dieser großen Psalmenvertonungen komponierte Mendelssohn Bartholdy in der Zeit von 1830 bis 1843. Gattungstechnisch sind sie als religiöse Musik irgendwo zwischen den Oratorien von Mendelssohn und Georg Friedrich Händel und den Kantaten von Johann Sebastian Bach anzusiedeln. Felix Mendelssohn Bartholdy reizte die Sprachgewalt und Tiefe der alttestamentlichen Texte, auch mit Psalm 95 beschäftigte er sich lange. Für die Komposition stellte er die Verse etwas um, damit die Musik dramaturgisch seinen Vorstellungen folgen konnte.
Wie bei einer Kantate wechselt die Besetzung von Abschnitt zu Abschnitt. Drei große Themen finden sich in diesem Psalm: Die Aufforderung, Gott anzubeten und zu loben, dann die Beschreibung, dass Gott den Menschen guttut und er wie ein Hirte zu seinen Schafen ist. Und schließlich die Mahnung und Erinnerung, wie schlecht es den Menschen ging, als sie ihr Herz verstockt hatten und nicht auf Gott hörten. Mit dieser eindringlichen Bitte zu mehr Gottesfurcht endet der Psalm.
Die oft dramatischen Worte des Psalms und Mendelssohns Tonsprache passen gut zueinander, heute werden alle Psalmenvertonungen des gebürtigen Hamburgers in vielen Konzerten und Gottesdiensten aufgeführt. Die Hymne „Hör mein Bitten“ (Hymn Hear my Prayer) schuf Mendelsohn auf Anfragen aus London nach dem 55. Psalm für Sopran, Chor und Orgel, die er später orchestrierte. Das Stück war im viktorianischen England eine seiner bekanntesten geistlichen Kompositionen.
In diesem Jahr feiert Bezirkskantor Andreas Fauß seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Grund stellt er auch eigene Kompositionen in verschiedenen Veranstaltungen vor. Diesmal „Das Gebot der Liebe op 9“ nach 1. Johannes 4, 16b – 21, das an diesem Abend zu hören war. Das Stück wurde von Lorenz Miehlich, Bass, als Solist ausdrucksvoll begleitet.
Der 42. Psalm op. 42 „Wie der Hirsch schreit“ ist eine Kantate für Sopran, gemischten Chor und Orchester. Der Text beruht auf dem alttestamentlichen Psalm 42 in der Übersetzung Martin Luthers. Auch hier ergänzten sich Solisten und Kantorei hinreißend mit perfekt ausgearbeitetem Wechselgesang, großartig begleitet von der Philharmonie. Grandios auch die stimmliche Ausarbeitung der Kantorei. Auch das in diesem Werk erforderliche Quintett aus Sopran (Doreen Ziegler), Mattis Heyne und Gero Albert (beide von der Kantorei), sowie Tenor (Sebastian Hübner) und Bass (Lorenz Miehlich) konnte stimmgewaltig überzeugen.
Herrschte während der Aufführungen andächtige Stille, so waren der Applaus und die Begeisterung am Ende umso größer und wurde mit Bravo-Rufen und Standing Ovation zum Ausdruck gebracht.

 

RNZ_Konzert-Eberbach_24525.pdf (403714)